Content Moderation zwischen Anstandsdame, Schiedsrichter und Zensor? Zu Formen der Kommunikationskontrolle und ihren Folgeproblemen

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.60678/gmj-de.v15i2.331

Schlagworte:

Content Moderation, Kommunikationskontrolle, Kommunikationstheorie, Systemtheorie, Luhmann, Hate Speech, Zensur, Anstandsdame, Schiedsrichter

Abstract

Der Beitrag untersucht Content Moderation (CM) aus systemtheoretischer Perspektive als Form der Kommunikationskontrolle. Statt zu normativen oder juristischen Einordnungen zu gelangen, wird CM als praktisches Problem innerhalb kommunikativer Systeme verstanden. Drei historische Sozialfiguren – „Anstandsdame“, „Schiedsrichter“ und „Zensor“ – dienen als heuristische Vergleichspunkte, um unterschiedliche Modi und Probleme der Kommunikationskontrolle zu illustrieren: von interaktiver Überwachung über organisationale Regelanwendung bis hin zur gesellschaftlichen Kontrolle des Sagbaren. Dabei zeigt sich, dass Kommunikationskontrolle stets in Zielkonflikte gerät, die die häufig beobachteten Probleme der Content Moderation zum Ausdruck bringen: zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Normsetzung und -durchsetzung sowie Anschluss und Ausschluss. Die Medienlogik digitaler Kommunikation (Asynchronität, Anonymität und Reichweite) verschärft diese Konflikte. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass CM als Praxis verstanden werden muss, deren Zielkonflikte sich nicht abschließend lösen lassen, sondern deren Bearbeitung selbst zur dauerhaften gesellschaftlichen Aufgabe wird.

Autor/innen-Biografien

Lukas Beckmann, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Deutschland

Lukas Beckmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Gegenwärtige Arbeitsschwerpunkte umfassen die soziologische Systemtheorie, Akteur-Netzwerk-Theorie sowie das Verhältnis von Anthropologie zur soziologischen Theorie.

Sebastian Suttner, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Deutschland

Sebastian Suttner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, wo er an seinem Promotionsvorhaben über die wissenssoziologischen Grundlagen soziologischer Krisenbeschreibungen arbeitet. Zu seinen Hauptinteressen gehören soziologische Theorie (insbesondere Systemtheorie) und Wissenssoziologie, sowie Fragen zu Geschichte der Soziologie und wissenschaftstheoretische Implikationen von soziologischer Forschung und Ideengeschichte.

Björn Wiegärtner, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Deutschland

Björn Wiegärtner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Mediensoziologie, der Gesellschaftstheorie sowie der Qualitativen Sozialforschung.

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Veröffentlicht

30.12.2025

Zitationsvorschlag

Beckmann, L., Suttner, S., & Wiegärtner, B. (2025). Content Moderation zwischen Anstandsdame, Schiedsrichter und Zensor? Zu Formen der Kommunikationskontrolle und ihren Folgeproblemen. Global Media Journal - German Edition, 15(2). https://doi.org/10.60678/gmj-de.v15i2.331

Ausgabe

Rubrik

Special Section: Norms, Power Relations and Injustices in Digitality